Unsere frühesten Lebensjahre prägen uns stärker, als wir oft denken. Selbst wenn wir uns an viele Erlebnisse nicht mehr bewusst erinnern, hinterlassen sie Spuren in unserem Verhalten. Kindheitstraumata können unbewusst unser gesamtes Leben beeinflussen und sich in bestimmten Verhaltensmustern äußern. Hier sind einige typische Anzeichen, die darauf hindeuten, dass du möglicherweise unbewältigte emotionale Wunden aus deiner Kindheit mit dir trägst.
1. Übermäßige Angst vor Zurückweisung
Du schreibst deiner besten Freundin und sie antwortet nicht sofort. Deine Gedanken beginnen zu kreisen: Habe ich etwas falsch gemacht? Mag sie mich nicht mehr? Doch einige Tage später meldet sie sich und alles ist wieder gut.
Möglicher Ursprung: Wenn deine Bedürfnisse als Kind nicht ausreichend beachtet wurden oder du häufig zurückgewiesen wurdest, kannst du auch als Erwachsener das Gefühl haben, übersehen oder unwichtig zu sein. Dieses übersteigerte Bedürfnis nach Bestätigung kann zu Unsicherheiten und Angst vor Ablehnung führen.
2. Kritikunfähigkeit und übersteigerte Selbstzweifel
Eine Kollegin gibt dir konstruktive Kritik. Doch anstatt sie sachlich zu betrachten, fühlst du dich persönlich angegriffen. Du kannst die Gedanken nicht loslassen und entwickelst sogar körperliche Symptome wie Bauchschmerzen oder Schlaflosigkeit.
Möglicher Ursprung: Falls du in deiner Kindheit oft kritisiert, aber selten gelobt wurdest, kann dein Selbstwertgefühl ins Ungleichgewicht geraten sein. Kritik wird dann nicht als Möglichkeit zur Verbesserung gesehen, sondern als persönliche Zurückweisung.
3. Abhängigkeit von der Stimmung anderer
Dein Partner kommt gestresst nach Hause, ist wortkarg und abweisend. Sofort bekommst du ein mulmiges Gefühl, dein Herz schlägt schneller, und du fragst dich, ob du etwas falsch gemacht hast. Erst als er erklärt, dass er beruflichen Stress hatte, kannst du dich entspannen.
Möglicher Ursprung: Wenn du in deiner Kindheit emotionalen Schwankungen eines Elternteils ausgesetzt warst, entwickelst du als Erwachsener oft eine übermäßige Sensibilität für die Stimmungen anderer. Diese emotionale Abhängigkeit kann dein Wohlbefinden erheblich beeinflussen.
4. Schwierigkeiten, Emotionen auszudrücken
Ein geliebter Mensch verstirbt, doch du kannst nicht weinen. Die Trauer läuft stumm in dir ab, bis sie sich in stressbedingten Symptomen äußert.
Möglicher Ursprung: Wenn du als Kind gelernt hast, Emotionen zu unterdrücken oder sie nicht ausdrücken durftest („Sei nicht so empfindlich!“), kann es dir schwerfallen, Gefühle offen zu zeigen. Doch Emotionen sind wichtig für die psychische Gesundheit und sollten nicht unterdrückt werden.
5. Angst vor Verlust und Verlassenwerden
Dein Partner geht mit Freunden aus, und du fühlst dich unruhig, bis er zurückkommt. Jede Minute schaust du auf dein Handy, bis du wieder beruhigt bist.
Möglicher Ursprung: Falls du in jungen Jahren den Verlust einer Bezugsperson erlebt hast, kann dies ein tief sitzendes Gefühl der Unsicherheit hinterlassen. Diese Verlustangst kann sich später in Beziehungen manifestieren und dazu führen, dass du extreme Bindungsängste oder Verlustängste entwickelst.
6. Übersteigerte emotionale Reaktionen
Dein Partner äußert einen Wunsch nach mehr Wertschätzung in der Beziehung. Doch anstatt ruhig darauf zu reagieren, wirst du wütend, fühlst dich verletzt und kannst keine konstruktive Antwort geben.
Möglicher Ursprung: Menschen, die in ihrer Kindheit keine gesunde Möglichkeit gelernt haben, mit Emotionen umzugehen, reagieren oft über. Sie unterdrücken ihre Gefühle so lange, bis sie explosionsartig ausbrechen.
Wege zur Heilung: Mehr Selbstbewusstsein entwickeln
Falls du dich in einigen dieser Beispiele wiedererkennst, bedeutet das nicht, dass du für immer an diesen Verhaltensweisen festhalten musst. Es gibt viele Wege zur Selbstheilung:
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Reflexion: Achte auf deine Reaktionen und hinterfrage, woher sie kommen.
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Tagebuch schreiben: Notiere deine Emotionen, um wiederkehrende Muster zu erkennen.
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Professionelle Hilfe: Eine Therapie kann helfen, tiefliegende Traumata zu verarbeiten.
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Achtsamkeit & Meditation: Diese Techniken fördern das innere Gleichgewicht.
Jeder Mensch kann an seinen inneren Wunden arbeiten. Indem du deine Muster erkennst und bewusst daran arbeitest, kannst du mehr Selbstbewusstsein entwickeln und emotionale Blockaden lösen.
Fazit: Unsere Kindheit beeinflusst unser Leben mehr, als uns oft bewusst ist. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät für Veränderung! Indem du deine Verhaltensmuster hinterfragst, kannst du dein Leben aktiv gestalten und emotionale Heilung finden.
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