Narzissmus beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln in jeder Lebensphase anders. Die Expertin für narzisstische Persönlichkeitsentwicklung, Chris Oeuvray, zeigt, wie sich narzisstische Tendenzen von der Kindheit bis ins hohe Alter verändern und welche Auswirkungen sie haben können.
Mit 10 Jahren: Die Entwicklung der Selbstwahrnehmung
In der Kindheit beginnt sich die Selbstwahrnehmung zu formen. Kinder im Alter von zehn Jahren sind stark von ihrem Umfeld beeinflusst. Eltern, Lehrer und Freunde prägen ihr Selbstbild.
Bereits in diesem jungen Alter können sich erste narzisstische Tendenzen zeigen, z. B. ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Besonders Überbehütung oder emotionale Vernachlässigung können narzisstische Persönlichkeitsmerkmale begünstigen. Die entscheidende Frage lautet: Wurde ich als Kind ständig gelobt oder oft kritisiert? Diese Reflexion kann helfen, die Entwicklung des eigenen Selbstbildes besser zu verstehen.
Mit 20 Jahren: Identitätssuche und sozialer Vergleich
In der jungen Erwachsenenphase steht die Identitätsfindung im Fokus. Studium, Berufseinstieg und die Ablösung vom Elternhaus führen dazu, dass äußere Anerkennung wichtiger wird.
Besonders soziale Medien verstärken narzisstische Tendenzen: Likes und Follower werden als Maßstab für den Selbstwert angesehen. Viele vergleichen sich intensiv mit anderen und streben nach Anerkennung durch Statussymbole. Eine wichtige Reflexionsfrage für diese Phase ist: Mache ich meinen Selbstwert von äußerlichen Erfolgen und Bestätigung abhängig?
Mit 30 Jahren: Erfolg, Druck und Beziehungen
Beruflicher Erfolg und stabile Beziehungen stehen für viele Menschen in ihren 30ern im Mittelpunkt. Der hohe Erfolgsdruck kann narzisstische Verhaltensweisen verstärken – sei es durch ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle oder die Priorisierung eigener Bedürfnisse.
In dieser Phase ist es wichtig, ein Gleichgewicht zwischen Karriere und persönlichen Beziehungen zu finden. Die Reflexionsfrage lautet: Versuche ich, meinen Selbstwert durch berufliche Erfolge oder Kontrolle über andere zu steigern?
Mit 50 Jahren: Selbstreflexion und Lebensbilanz
Mit 50 Jahren blicken viele Menschen auf ihr bisheriges Leben zurück. In dieser Phase können sich zwei extreme Wege zeigen: Entweder wächst die Einsicht, dass exzessives Streben nach Anerkennung keine Erfüllung bringt, oder narzisstische Züge verstärken sich durch die Angst vor dem Verlust von Status und Jugend.
Häufig treten Zeichen der Midlife-Crisis auf. Manche kompensieren Unsicherheiten durch materielle Statussymbole oder neue Beziehungen. Die Frage zur Selbstreflexion lautet: Muss ich mich durch äußere Bestätigung weiterhin beweisen, oder kann ich innere Zufriedenheit finden?
Mit 70 Jahren: Akzeptanz oder Verbitterung
Im hohen Alter stehen viele Menschen vor der Herausforderung, mit ihrer Vergangenheit und ihrer eigenen Vergänglichkeit Frieden zu schließen. Während einige Gelassenheit und Zufriedenheit entwickeln, kämpfen andere mit dem Verlust von Status und Kontrolle und werden verbittert.
Ein ehrlicher Blick auf die eigene Lebenshaltung hilft, die eigene Zufriedenheit zu fördern. Die entscheidende Frage lautet: Habe ich innere Ruhe gefunden, oder suche ich weiterhin nach Bestätigung von außen?
Fazit: Narzissmus ist veränderbar
Narzissmus ist ein dynamisches Persönlichkeitsmerkmal, das sich über das gesamte Leben hinweg verändert. Selbstreflexion und bewusste Entscheidungen können helfen, narzisstische Tendenzen zu erkennen und gesunde Verhaltensmuster zu entwickeln. Es ist nie zu spät, ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen, das nicht auf äußere Anerkennung angewiesen ist.
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